Seelsorge, Psychotherapie (HPG) & Traumaberatung Heike und Andreas Timmler


Februar 12, 2014

Voller Erwartung

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit der Frage, ob die in der Apostelgeschichte beschriebenen Wunder und Geistesgaben auch heute noch real sein können, oder ob diese irgendwann in der Kirchengeschichte ein Ende gefunden haben. Auslöser für diese Überlegungen war der Besuch eines Seminares für den Heilungsdienst, zu dem ich (zugegeben mit einer sehr kritischen Einstellung) gefahren bin. Auf diesem Seminar wurden die biblischen Grundlagen für den Heilungsdienst erklärt und anschließend konnten kranke Menschen für sich beten lassen. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich immer noch sehr kritisch, auch wenn mir die biblischen Grundlagen klar geworden sind. Was ich dann erleben durfte war, dass es sehr wohl auch heute noch Wunder Gottes gibt, z. B. Spontanheilungen, Dinge die menschlicher Logik und dem Verstand widersprechen.

Ich frage mich, warum diese göttlichen Dinge so rar geworden sind, besonders hier in unserer westlichen Welt, wo Verstand, wissenschaftliche Erkenntnisse, Logik groß geschrieben werden. Warum sind diese Dinge in armen Ländern auch heute noch an der Tagesordnung und wie kommt es, dass Menschen, die sich nach übernatürlichen Dingen ausstrecken, sich danach sehnen, göttliche Dinge zu erleben, diese auch wirklich erleben dürfen? Noch vor zwei Jahren hätte ich diesen Text sicher nicht geschrieben, aber heute traue ich mich, weil ich weiss, dass Gott derselbe ist und dass er uns sogar beauftragt, die Dinge zu tun, die er getan hat. Diesen Auftrag hat er zeitlich nicht befristet. Manche Kritiker meinen, dass diese Geistegaben mit Fertigstellung der Bibel aufgehört haben. Diesen Kritikern muss ich sagen, dass das nicht stimmt. Ich habe es mit eigenen Augen erleben dürfen, dass Gott auch heute auf übernatürliche Weise heilt. Aber woran liegt es wirklich?

In Sprüche 27,7 steht ein markanter Satz: „Wer satt ist, dem schmeckt auch der Honig nach nichts, dem Hungrigen aber schmeckt sogar bittere Speise süß.“ Was hat dieser Satz mit der oben genannten Frage zu tun? Ich glaube, dass wir hier in Deutschland und der westlichen Welt einfach viel zu satt sind, satt von Luxus, satt von Gottesdiensten, wo kaum jemand das Wirken des heiligen Geistes mehr erwartet, satt von viel zu viel Lehre ohne praktische Umsetzung des Gelehrten, satt von vielen, vielen Dingen, die uns oberflächlich gesehen das Leben leicht machen, tiefer gekratzt aber bedeuten, dass wir das wirkliche geistliche Leben in seiner ganzen Tiefe heute gar nicht mehr erleben. Als Honig würde ich das praktische Wirken Gottes bezeichnen, sei es dadurch, dass ER jemanden einfach ganz neu berührt, dass eine Person eine Begegnung mit Gott hat, dass jemand Gottes Stimme hört oder einen Eindruck hat, dass Menschen auf nicht logische Weise geheilt werden, all diese Dinge sind wie Honig, weil sie mehr von dem zeigen, wie Gott wirklich ist. Wenn wir satt sind, dann schmecken wir diesen Honig leider nicht.

Aber was kann ich daran ändern? Wie kann ich diesen Honig wieder schmecken? Ich bin überzeugt, dass das Geheimnis gar nicht so schwer ist. Strecke Dich mehr und mehr nach dem Übernatürlichen aus, erwarte mehr von Gott, sag ihm, dass Du diesen Honig schmecken möchtest, dass Du mehr in der erlebbaren Gegenwart Gottes leben möchtest. Das sind Gebete, die Gott ernst nehmen und nicht überhören wird. Ich denke an Hanna in 1. Samuel 1. Dort kann man solch ein Ausstrecken nach dem Übernatürlichen nachlesen. Hanna konnte keine Kinder bekommen aber sie wusste, dass Gott es trotzdem schenken kann. Und so streckte sie sich nach dem Größeren, nach dem Übernatürlichen aus. Und so sah das Ausstrecken ganz praktisch aus:

Eines Tages, nachdem sie in Silo gegessen und getrunken hatten, ging Hanna zum Heiligtum des Herrn. Dort saß der Priester Eli am Platz neben dem Eingang. Hanna war ganz in ihren Kummer versunken und weinte bitterlich, während sie zum Herrn flehte. Sie legte ein Gelübde ab: »Allmächtiger Herr, wenn du mein Leid siehst und an mich denkst und mich nicht vergisst und mir einen Sohn schenkst, dann will ich ihn dir, Herr, geben. Sein ganzes Leben lang soll sein Haar niemals geschnitten werden.« Eli beobachtete sie, während sie lange Zeit zum Herrn betete. Er sah, dass ihre Lippen sich bewegten, aber er hörte nichts, weil Hanna nur im Stillen für sich betete. Er dachte deshalb, sie habe getrunken. »Musstest du betrunken hierher kommen?«, wollte er wissen. »Werde erst einmal wieder nüchtern!« »Nein, Herr!« antwortete sie. »Ich bin nicht betrunken! Aber ich bin sehr traurig und habe dem Herrn mein Herz ausgeschüttet. Denk nicht, dass ich eine schlechte Frau bin! Ich habe aus großem Kummer und Leid gebetet.« »Dann geh in Frieden«, sagte Eli, »der Gott Israels wird dir deine Bitte, die du hast, erfüllen.« »Lass mich Gunst in deinen Augen finden!«, rief sie. Dann ging sie zurück und fing wieder an zu essen und sie war nicht mehr traurig. Am nächsten Morgen stand die ganze Familie früh auf und ging, den Herrn noch einmal anzubeten. Dann kehrten sie heim nach Rama. Als Elkana mit Hanna schlief, erhörte der Herr ihre Bitte. Sie wurde schwanger und brachte, als es so weit war, einen Sohn zur Welt. Sie nannte ihn Samuel, denn sie sagte: »Ich habe ihn vom Herrn erbeten.«

Das ist ja so eine krasse Geschichte, oder? Hanna geht erst einmal dahin, wo sie Gott vermutet, sie sucht seine Nähe und streckt sich nach dem Unlogischen, nach dem Größeren, nach Gott selbst aus. In seiner Nähe fleht sie Gott an und muss sogar Spott über sich ergehen lassen. Doch sie ist sich sicher, dass der einzige Ort, wo Hilfe möglich ist, der Ort in Gottes Nähe ist, an dem sie sich gerade befindet. Die erste Auswirkung dieses Gebetes ist, dass sie nicht mehr traurig ist. Die Belohnung für diesen Glauben, für dieses Ausstrecken nach Gott ist, dass Hanna einen Sohn bekommt.

Vielleicht möchtest Du Dich auch nach mehr ausstrecken, vielleicht ahnst Du auch, dass es mehr gibt, als wir in den allermeisten Kirchen und Gemeinden erleben, vielleicht traust Du Gott auch heute noch mehr zu, als Du bisher erlebt hast. Dann möchte ich Dir Mut machen, Dich danach auszustrecken, da zu sein, wo Gott versprochen hat, auch zu sein. Erwarte mehr von Gott und sage es ihm, dass Du mehr erwartest. Vielleicht wirkt das in Deinem Umfeld dann komisch, vielleicht hörst Du auch Sätze wie Hanna sie gehört hat und man sagt Dir nach, dass Du jetzt vielleicht abgehoben seist, ein geistlicher Überflieger oder andere Wörter… Lass Dich von diesen Dingen nicht beeindrucken, Gott hat definitv mehr für Dich, für Dein Leben, für deine Umgebung. Gebe Dich nicht mit weniger als mit der ganzen Fülle Gottes zufrieden, suche Dir Menschen, die zusammen mit Dir Gottes Wirken erleben möchten, ganz real, ganz praktisch, ohne wenn und aber. Denn: Gott ist derselbe, gestern, heute und in alle Ewigkeit. Was kann in Deutschland geschehen, wenn immer mehr Christen diese tiefe Sehnsucht in ihrem Leben verspüren und sich danach ausstrecken, Gott zu begegnen und in seinem Namen Wunder zu tun? Was, wenn wir nicht mehr so satt wären und wieder anfangen würden, den Honig zu genießen? In Deutschland würde eine große Erweckung geschehen und Gott würde geehrt!

Diese große Erwartung habe ich auch für den MYP-Jugendgottesdienst am kommenden Samstag in Gevelsberg. Ich erwarte, dass Gott da ist, ich erwarte, dass Gott Menschen berührt, dass sie vor ihm auf die Knie gehen und IHM ihr Leben geben, ich erwarte, dass Menschen geheilt werden, geheilt von Krankheiten aber auch geheilt von Verletzungen, ich erwarte Wunder Gottes an diesem Abend.

Sei gesegnet!

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