Seelsorge, Psychotherapie (HPG) & Traumaberatung Heike und Andreas Timmler


August 15, 2014

Wie sehe ich meine Mitmenschen?

Ich fahre fast an jedem Tag mit dem Zug. Wenn ich dann morgens am Bahnhof auf den Zug warte, beobachte ich gerne die Menschen, die ebenfalls auf den Zug warten. Dabei geht mir dann immer wieder mal durch den Kopf, wie unglaublich unterschiedlich all diese Menschen sind. Da gibt es große und kleine Menschen, dicke und dünne Menschen, Menschen mit roten, blonden, braunen, weissen, grauen und gefärbten 😉 Haaren, Menschen, in deren Gesichtern man die Spuren ihres Lebens ablesen kann und Menschen, deren Gesichtsausdruck aalglatt ist. Wenn ich dann in den Zug einsteige und der Zug wie gestern sehr voll ist, dann kommt man sich gezwungener Maßen auch näher. Und auch da erlebt man sehr deutliche Unterschiede, der eine duftet angenehm nach einem guten Duschgel, der andere halt nicht. Jemand blockiert den Sitzplatz mit seiner Tasche, der andere bietet einen Platz an, der eine schläft, der andere liest ein Buch…

Menschen zu beobachten macht mir irgendwie Spaß. Oft denke ich darüber nach, wie es überhaupt möglich ist, dass bei ca. 7 Milliarden Menschen, die aktuell auf der Erde leben, alle so unterschiedlich aussehen und unterschiedlich sind. Ich stelle mir dann vor, ich sollte nur 10 verschiedene Gesichter malen… Ich wäre komplett überfordert. Wenn ich so viele Menschen auf einmal sehe, dann wird mir die Größe, die Kreativität meines Gottes bewusst, der alle diese Menschen in seinem Bild geschaffen hat, der jeden dieser Menschen ganz bewusst geschaffen und ihm Leben geschenkt hat.

Ein zweiter Gedanke folgt dem ersten dann aber auch sehr schnell: Wie sehe ich eigentlich all diese Menschen? Stören mich diejenigen, die ihren Platz nicht frei machen und ihre Tasche wegstellen? Rümpfe ich die Nase, wenn der nicht so ganz frische Mensch neben mir im Zug eben etwas unangenehm riecht? Weiss ich denn, wie sein Tag war? Wie sehe ich die Menschen, die vor mir im Supermarkt an der Kasse stehen? Sind es nur Objekte, die meine Wartezeit verlängern oder sehe ich sie als von Gott gewünschte und erschaffene Menschen an? Ist es mir egal, wenn ich herumlungernde Drogenabhängige sehe, die in ihrem Elend gefangen sind oder kann ich für diese Menschen beten, wenn sie mir begegnen?

Wenn mir bewusst ist, dass jeder dieser Menschen wirklich von Gott gewollt ist, dann ändert sich mein Blick auf diese Menschen. Dann darf ich ihren Wert wahrnehmen, den sie von Gott bekommen haben. Natürlich hilft es mir sehr, die Menschen so zu sehen, wie Gott sie sieht, wenn ich auch meinen eigenen Wert in Gott kenne und akzeptiere.

Dieser Gott, der mich sein Kind nennt, bietet jedem Menschen noch viel mehr an: Er möchte mit jedem Menschen in einer ganz engen Beziehung leben, er bietet jedem Menschen Rettung an und er möchte jedem Menschen einen neuen Namen geben.  Möchtest Du nicht auch Kind Gottes sein?

Herr, bist du unser Vater. Wir sind der Ton, du bist der Töpfer und wir sind das Werk deiner Hand. (Jes. 64,7)

Herr, hilf mir, meine Mitmenschen mit Deinen Augen zu sehen, ich möchte ihnen mit Wertschätzung begegnen, unabhängig von Ihrer Herkunft, dem Geschlecht, dem Alter, dem Aussehen. Ich möchte sie mit Deinen Augen sehen!

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